Wacken-Wasteland (Vorwort Gerd Scherm)

 

Aus dem Atelier klingen ungewohnt harte Töne. Black-Metal und manchmal auch Death-Metal, zur entspannten Maltätigkeit passt das nur bedingt. Dazwischen vertrautere Töne: David Bowie´s "Future Legend" beispielsweise mit der markanten Zeile "This ain´t Rockn Roll - this is Genocide" oder Lemmy Killmister, der zusammen mit dem London Symphonie-Orchester den alten Protestsong "Eve of Destruction" von Barry McGuire vorträgt. "The eastern world it is explodin', violence flarin', bullets loadin'...."

Das Stimmungsbild könnte nicht besser auf das abgestimmt sein, was dort auf den 14 neuen Leinwänden von Jens Rusch entsteht. Er braucht diese Einstimmungen genau so, wie die Dialoge mit den dargestellten Personen. Das Thema "Postapokalypse" hat seit Jahren einen festen Platz beim Wacken Open Air-Festival, eine düstere, deprimierende Szenerie, ein Festival des Überlebens nach einer atomaren Katastrophe. Für Rusch, der direkt neben dem Atomkraftwerk in Brunsbüttel lebt, ist diese Vorstellung facettenreicher, als man es von den Mad Max-Filmen her kennt.

 

Seit Jahren beschäftigt er sich mit einer bildhaften Aufarbeitung einer Menschheit, die nichts so perfektioniert hat, wie ihre Selbstzerstörung.

Musikalische Zitate bieten ihm Inspiration: "Fleas , the size of rats succking on rats, the size of cats". Das Bowie-Zitat musste gleich für zwei der neuen Mischtechniken herhalten. Die "Eve"-Doppeldeutigkeit Barry McGuires brachte die Eva-Elemente ins Bild. Aus "Evening" wird dann eben kurzerhand eine symbolhafte Amazone, eine Endzeit-Kriegerin, eine "Eva" die sich mit Müll und Lumpen attraktiver macht, als es so mancher Modeschöpfer vergeblich versuchen würde. Und mit diesem Namen steht sie dann ja vielleicht sogar für die Vorstellung eines neuen Versuches, die menschliche Existenz auf diesem zerstörten Planeten zu rechtfertigen. So werden aus Ideen eben Bilder. "Eve of Destruction", die "Eva der Zerstörung".

 

Und so wird das Heavy-Metal Festival seit einigen Jahren auch zu einer Projektionsfläche dessen, was Metal-Musiker längst zu ihrer Hymne gemacht haben, die sie unentwegt von der Bühne schreien. Das künstlerische Synergie-Projekt "W:O*Art" mit seiner immer größer gewordenen Ausstellungshalle auf dem Foundation-Camp hat ebendiesen Sinn: bildende Künstler den Musikern an die Seite zu stellen, Gemeinsamkeiten herauszustellen. An der Entwicklung dieser Idee ist Jens Rusch mit seinen Bildern maßgeblich beteiligt.

Der Wacken-Wasteland-Kalender 2017 ist ein weiterer Schritt: Inspiriert von den Bildern von Jens Rusch schuf der Schriftsteller Gerd Scherm den Lyrikzyklus WACKEN OPEN AIR LINES – eine poetische Dystopie erzählt in zwölf Vierzeilern.

Als Druckwerk umgesetzt wurde der Kalender von Frank Steinmetz – drei Brüder im Geiste unter den Flügeln des Musenpferds PEGASUS.

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